Girls

23 Jan

Eine Fernsehserie über vier Frauen in New York – NEIN, nicht Sex and the City! – sondern Girls. Ein Vergleich fällt mir schwer, da ich mit Sex and the City nie warm geworden bin. Vier Karrierefrauen, die sich eigentlich nur für Schuhe, Klamotten und Männer interessieren, haben einfach nichts mit mir zu tun. Bei den Girls sieht das anders aus.

Die vier Frauen sind Anfang/Mitte zwanzig und noch auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Hannah will als Autorin die Stimme ihrer Generation sein, oder zumindest eine Stimme einer Generation, wie sie selbst sagt. Bisher hängt sie jedoch in der Praktikumsfalle fest. Beruflich läuft es da für ihre Mitbewohnerin Marnie wesentlich besser. Dafür hängt diese in einer totlangweiligen Collegebeziehung fest. Das könnte Jessa nicht passieren. Sie hält es nicht lange an einem Ort oder Typen. Ihre jüngere Cousine Shoshanna bewundert sie dafür.

Die Charaktere sind nicht glatt und unkompliziert, sie haben so viele Ecken und Kanten, dass es teilweise schwierig ist, sie gern zu haben. Aber gerade das macht sie echt und ermöglicht eine gewisse Identifikation.

Viele Erlebnisse der Frauen sind banal und alltäglich, einige sind absolut schräg. Häufig weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Beispielsweise als Hannah den Entschluss fasst, mit ihrem Chef zu schlafen, nachdem dieser sie betatscht hat – nur als Erfahrung, nur für die Story. Generell ist Sex in dieser Serie eine eher peinliche Angelegenheit…

Die Story für die Serie stammt von der 26-jährigen Lena Dunham, die auch noch die Rolle der Hannah spielt und Produzentin der Serie ist. Wenig überraschend ist, dass diese Serie, die sicher kein Massenpublikum anspricht, für den US-Sender HBO (Six feet under, Game of Thrones, True Blood, The Sopranos…) produziert wird. Leider ist bisher nicht absehbar, wann und ob sie im deutschen Fernsehen zu sehen sein wird. Ich empfehle euch auf jeden Fall, die Augen offen zu halten!

Hinter verzauberten Fenstern – Cornelia Funke

1 Dez

Heute konnte endlich das erste Türchen des Adventskalenders geöffnet werden. Bei vielen verbarg sich dahinter wahrscheinlich ein Schokoladenstück in Form eines Engels, einer Glocker oder einer Kerze. So ein Stück Schokolade hätte sich auch Julia, die Hauptperson in Cornelia Funkes Adventsbuch “Hinter verzauberten Fenstern”, gewünscht. Doch im Gegensatz zu ihrem kleinen Bruder Olli hat sie keinen Schokoadventskalender bekommen, sondern einen aus Papier. Darauf abgebildet ist ein Haus, das eigentlich ganz schön und geheimnisvoll glitzert. Als Julia dann doch neugierig das erste Fenster öffnet, merkt sie ganz schnell, wie viel spannender ihr Kalender im Vergleich zu einem muffigen Stück Schokolade ist.

Ihr Kalenderhaus wird nämlich von sehr gastfreundlichen Menschen bewohnt, die sie zu sich einladen. Durch die Fenster ihres Adventskalender gelangt sie in eine verzauberte Welt. Der Erfinder Jakobus Jammernich mit seinen faszinierenden Flugmaschinen nimmt sie dort in Empfang. Von ihm erfährt sie auch, dass immer seltener Kinder zu Besuch in die Kalenderwelt kommen, da diese viel lieber die Schokoladenadventskalender mögen.

Julias Besuch gibt den Hausbewohnern neue Hoffnung und sie versuchen sich mit ihrer Hilfe gegen den Verfallt der alten Kalenderhäuser zu wehren. Ihr Gegenspieler ist dabei der fiese Leo, der immer mehr Schokoladenhäuser bauen möchte.

Die Spannung, die Cornelia Funke aufbaut, ist geradezu greifbar. Immer mehr wird Julia von den Abenteuern hinter den verzauberten Fenstern angezogen, immer weniger kann sie es erwarten, das nächste Fenster zu öffen. Dabei gelingt es Cornelia Funke, eine fantastische Märchenwelt zu erschaffen, die zugleich in der Realität verankert ist. Julia muss nämlich nicht nur das Kalenderland retten, sondern gleichzeitig dieses Geheimnis vor ihrem nervigen, kleinen Bruder bewahren.

Cornelia Funke zeigt wie immer viel Liebe zum Detail, die sich auch in ihren Illustrationen wiederfindet. Die Bewohner des Hauses und ihre Wohnungen sind so liebevoll beschrieben, dass man sie sofort vor Augen hat. Jede Figur hat dabei ihre ganz besonderen Eigenheiten.

Mich begeistert dieses Adventsbuch seit ich es das erste Mal vorgelesen bekommen habe jedes Jahr auf’s Neue – obwohl ich inzwischen eigentlich zu alt dafür bin und durchaus gerne Schokolade esse.

Glatte runde Dinger – Martina Brandl

18 Jun

Sabine bricht aus ihrem alten Leben aus und versucht sich ohne Rücksicht auf Verluste, zum Beispiel den ihrer Beziehung oder ihres Jobs, neu zu erfinden. Dabei überwindet sie nach und nach ihre zahlreichen Neurosen und trifft die unterschiedlichsten, außergewöhnlichsten Menschen. Viel mehr kann man zur Geschichte dieses Selbstfindungsromans kaum sagen, viel mehr Geschichte braucht ein Buch wie dieses, das lediglich Anekdoten aneinander reiht, vermutlich auch nicht. Es reicht aus, witzige oder schräge Erlebnisse in einer Art Rahmenhandlung zusammen zu fassen, um ein beschwingtes Buch über eine Frau zu schreiben, die eine Lebenskrise überwindet und diese noch dazu nutzt über ihren eigenen Schatten zu springen.

Allerdings fand ich die Anekdoten nicht witzig, sondern zumeist sehr bemüht. Martina Brandls ironischer Blick auf, aber vor allem durch Sabine war für meinen Geschmack zu gezwungen und die vermeintlich lustigen Schrullen nur nervig, weshalb mir die Hauptfigur durchweg unsympathisch war. (Zu allem Überfluss trifft dieser gewollt ironische Blick auch noch Hannover, worüber ich überhaupt nicht lachen konnte.)

Leider konnte ich mit dem Humor von “Glatte runde Dinger” nichts anfangen und bin mit diesem Roman einfach nicht warm geworden.

 

Nachricht von dir – Guillaume Musso

17 Jun

Die Idee, dass sich zwei Menschen zufällig begegnen und es scheint, als hätte das Schicksal sie zusammen geführt ist nicht neu, bietet aber scheinbar immernoch eine Menge Stoff.

Madeline und Jonathan, sie eine pariser Floristin und er ein ehemaliger Sternekoch, stoßen am Flughafen zusammen und stecken aus Versehen das Smartphone der/des jeweils anderen ein. Als sie diese Verwechslung bemerken treiben sie zwei Dinge an. Zum einen die Neugier, wer die Person ist, der das Handy gehört. Zum anderen die Besorgnis, was sich anhand der gespeicherten Daten über sie herausfinden lässt. Je länger sie im Besitz des fremden Telefons sind und Photos, Musik und Mails zu durchstöbern, desto größer wird das Interesse füreinander und beide beginnen in der Vergangenheit der/des anderen zu forschen.

Was bis hierhin nach einem Liebesroman mit absehbarem Ende klingt, entwickelt sich zum Krimi, als die beiden mit ihren Nachforschungen erfolgreich sind. Was hat es mit Jonathans Scheidung auf sich, die ihn beinahe völlig zerstört hätte? Was verbirgt sich hinter dem Fall Dixon, den Madeline in ihrer Zeit bei der Polizei bearbeitete? Die Antwort auf diese Fragen stellt alles auf den Kopf und führt Jonathan und Madeline zusammen (ganz muss man also nicht auf die erwartete Liebesgeschichte verzichten). Beide werden durch die/den anderen mit einem Kapitel ihrer Vergangenheit konfrontiert, das sie bis dahin so gut wie möglich verdrängt haben und stellen sich ihren Traumata.

Guillaume Musso sorgt im Verlauf der Geschichte immer wieder für gelungene Überraschungseffekte, die dem Roman eine gänzlich neue Wendung geben. Diese fügen sich meist gut in den Handlungsverlauf ein, sind an der einen oder anderen Stelle allerdings etwas zu überraschend und aus der Luft gegriffen. Wirklich gut gelingt ihm das Schaffen von Charakteren, die nicht nur Personen sind, sondern Typen mit Ecken und Kanten und alle auf ihre Weise zum Handlungsverlauf beitragen.

Insgesamt ist “Nachricht von dir” ein Roman, der unbeschwert beginnt, den/die LeserIn jedoch zunehmend mit der traumatischen Vergangenheit der beiden Hauptcharaktere konfrontiert und so eine Spannung erzeugt, die sich erst beim Showdown löst. Ein Buch also, das sich gut für den (Sommer-)Urlaub eignet!

True Blood – Charlaine Harris

30 Mär

Nachdem ich immer mal wieder von der Vampir-Serie True Blood gehört habe, der Funke aber nie übergesprungen ist, war es nun plötzlich doch so weit. Ich weiß nicht warum, aber letzte Woche packte es mich, die ersten drei Bände der Geschichte um Sookie Stackhouse. Man kann ja viel am Vampir-Hype rund um Twilight herummäkeln, aber es lässt sich nicht leugnen, dass Vampire unglaublich viel Stoff bieten und eine gewisse Faszination ausüben. Kurzum: Ich lese jetzt True Blood!

Hauptperson der Krimireihe ist die junge Kellnerin Sookie Stackhouse, die in einer amerikanischen Kleinstadt bei ihrer Großmutter lebt und zu ihrem Leidwesen über die Gabe (oder ihrer Auffassung nach Behinderung) verfügt, Gedanken lesen zu können – nicht jedoch die von Bill, dem Vampir. Vampire sind rechtlich anerkannt und ernähren sich von Kunstblut, spalten aber die Meinungen der Menschen: Es gibt reaktionäre, die den Vampiren ablehnend gegüberstehen und Vampir-Groupies.

Wie ich zu den Vampiren und der Reihe im Allgemeinen stehe werde ich erst noch herausfinden, ich freue mich aber schon auf’s Lesen!

 

Zwei an einem Tag – David Nicholls

19 Mär

Zwei an einem Tag ist für mich in erster Linie ein Roman über Freundschaft und Leben und erst in zweiter Linie ein Liebesroman. Emma und Dexter, die verschiedener nicht sein könnten, lernen sich am 15. Juli 1988 bei der Abschlussfeier des Colleges kennen und verbringen die Nacht miteinander. Dabei schwebt über dieser Begegnung der Gedanke daran, dass mit dem Ende der Nacht gewissermaßen der Ernst des Lebens beginnt.

Emma hat einen Einserabschluss in zwei Fächern erlangt, hat ein politisches Bewusstsein und möchte die Welt verändern. Wie sie das genau anstellen soll, weiß sie noch nicht, aber sie ist davon überzeugt, es durch Schreiben schaffen zu können. Ihr Äußeres kümmert sie dabei weniger. Demgegenüber steht Dexter, der aus reichem Elternhaus stammt und das College vor allem als eine große Party begriffen hat. Mit seinem eher mäßigen Abschluss und sich selbst weiß er noch nichts anzufangen und möchte zunächst Reisen, um Zeit für seine Lebensplanung zu gewinnen.

Im Folgenden zeigt der Roman die Entwicklung der beiden im Verlauf der Jahre immer anhand des 15. Julis. Emma und Dexter erleben in beruflicher wie in privater Hinsicht Erfolge und Misserfolge Glück und Unglück, zerplatze Träume und das aufleben alter Träume. Die Verbindung zwischen den beiden bleibt bestehen, auch wenn sie sich stetig verändert, sie sich auseinanderleben oder sich näher kommen. Hintergründig bleibt stets die Frage: Kriegen sie sich? Allerdings blieb für mich entgegen dem Hollywoodklischee offen: Will ich überhaupt, dass sie sich kriegen? Immer wieder wird deutlich, wie verschieden die Lebensentwürfe der beiden sind, sodass zu befürchten ist, ein gemeinsames Leben zerstöre den Charakter und die Individualität. Dieser Widerspruch wird am Ende auf eine Weise, diemich nicht zufrieden gestellt hat, die ich hier jedoch natürlich nicht ausführen will, aufgelöst.

Insgesamt gefiel es mir, Emma und Dexter dabei zu begleiten, wie sie älter werden und ihren Weg mit zahlreichen Irrungen und Wirrungen finden, zumal David Nicholls die richtigen Worte gefunden hat, dies zu beschreiben und tatsächlich Charaktere und nicht nur Romanfiguren zu erschaffen. Durch den ganzen Roman zieht sich wie ein roter Faden die erste gemeinsame Nacht am 15. Juli 1988. Dieser Bezug zum Ausgangspunkt dieser besonderen Verbindung zwischen Emma und Dexter wird sprachlich durch das Aufgreifen bestimmter Formulierungen aufgegriffen und bildet insbesondere am Ende des Romans einen passenden Rahmen für ihre Geschichte.

Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär – Walter Moers

6 Mär

Gleich zu Beginn möchte ich klarstellen, dass dieser Roman von Walter Moers kein Kinderbuch ist, wie die meisten wegen der gleichnamigen TV-Spots in der “Sendung mit der Maus” vermuten.

In “Die 13½ Lebend des Käpt’n Blaubär” schildert Walter Moers, wie der Titel bereits besagt, die ersten 13½ Leben von insgesamt 27 Leben des Buntbären Käpt’n Blaubär auf dem Kontinent Zamonien, auf dem auch weitere Romane Moers’ angesiedelt sind. Jedes der 13½ Kapitel beschreibt einen Lebensabschnitt des Bären aus dessen Sicht. Dabei entwirf Walter Moers mit blumiger Sprache einen fantastischen Kontinent, der unter Zuhilfenahme des Lexikons der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller und  Illustrationen des Autors näher erläutert wird.

Käpt’n Blaubär stürzt von einem Abenteuer ins nächste: er segelt mit Zwergpiraten, wird an der Nachtschule von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller ausgebildet, stürzt in Dimensionslöcher, wohnt in einem Tornado und gelangt durch einen abgelegten Bollogkopf nach Atlantis, wo er als Lügengladiator gefeiert wird. Dabei trifft er auf Gefährten und Freunde, wie den Rettungssaurier Mac oder den Gallertprinzen Qwert Zuiopü aus der 2364. Dimension, aber auch auf weniger angenehme Zeitgenossen, wie den Tyrannowalfisch Rex oder die Waldspinnenhexe.

Die Abenteuer enthalten zahlreiche Anspielungen, die mehr oder weniger deutlich herausstechen und den Leser/die Leserin zum Schmunzeln bringen. Generell trägt Moers sprachlich ziemlich dick auf, wodurch die Sprache teilweise etwas zu märchenhaft verschnörkelt wird. Moers bewegt sich dabei auf dem schmalen Grad zwischen gekonntem verbalen Augenzwinkern und zu gewollter Übertreibung.

Ein besonderes Highlight ist übrigens das von Dirk Bach gelesene Hörbuch, in dem eben jene Sprachakrobatik mit ihrer Neigung zur Übertreibung besonders gut zur Geltung kommt.

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