Archive | Juni, 2012

Glatte runde Dinger – Martina Brandl

18 Jun

Sabine bricht aus ihrem alten Leben aus und versucht sich ohne Rücksicht auf Verluste, zum Beispiel den ihrer Beziehung oder ihres Jobs, neu zu erfinden. Dabei überwindet sie nach und nach ihre zahlreichen Neurosen und trifft die unterschiedlichsten, außergewöhnlichsten Menschen. Viel mehr kann man zur Geschichte dieses Selbstfindungsromans kaum sagen, viel mehr Geschichte braucht ein Buch wie dieses, das lediglich Anekdoten aneinander reiht, vermutlich auch nicht. Es reicht aus, witzige oder schräge Erlebnisse in einer Art Rahmenhandlung zusammen zu fassen, um ein beschwingtes Buch über eine Frau zu schreiben, die eine Lebenskrise überwindet und diese noch dazu nutzt über ihren eigenen Schatten zu springen.

Allerdings fand ich die Anekdoten nicht witzig, sondern zumeist sehr bemüht. Martina Brandls ironischer Blick auf, aber vor allem durch Sabine war für meinen Geschmack zu gezwungen und die vermeintlich lustigen Schrullen nur nervig, weshalb mir die Hauptfigur durchweg unsympathisch war. (Zu allem Überfluss trifft dieser gewollt ironische Blick auch noch Hannover, worüber ich überhaupt nicht lachen konnte.)

Leider konnte ich mit dem Humor von „Glatte runde Dinger“ nichts anfangen und bin mit diesem Roman einfach nicht warm geworden.

 

Nachricht von dir – Guillaume Musso

17 Jun

Die Idee, dass sich zwei Menschen zufällig begegnen und es scheint, als hätte das Schicksal sie zusammen geführt ist nicht neu, bietet aber scheinbar immernoch eine Menge Stoff.

Madeline und Jonathan, sie eine pariser Floristin und er ein ehemaliger Sternekoch, stoßen am Flughafen zusammen und stecken aus Versehen das Smartphone der/des jeweils anderen ein. Als sie diese Verwechslung bemerken treiben sie zwei Dinge an. Zum einen die Neugier, wer die Person ist, der das Handy gehört. Zum anderen die Besorgnis, was sich anhand der gespeicherten Daten über sie herausfinden lässt. Je länger sie im Besitz des fremden Telefons sind und Photos, Musik und Mails zu durchstöbern, desto größer wird das Interesse füreinander und beide beginnen in der Vergangenheit der/des anderen zu forschen.

Was bis hierhin nach einem Liebesroman mit absehbarem Ende klingt, entwickelt sich zum Krimi, als die beiden mit ihren Nachforschungen erfolgreich sind. Was hat es mit Jonathans Scheidung auf sich, die ihn beinahe völlig zerstört hätte? Was verbirgt sich hinter dem Fall Dixon, den Madeline in ihrer Zeit bei der Polizei bearbeitete? Die Antwort auf diese Fragen stellt alles auf den Kopf und führt Jonathan und Madeline zusammen (ganz muss man also nicht auf die erwartete Liebesgeschichte verzichten). Beide werden durch die/den anderen mit einem Kapitel ihrer Vergangenheit konfrontiert, das sie bis dahin so gut wie möglich verdrängt haben und stellen sich ihren Traumata.

Guillaume Musso sorgt im Verlauf der Geschichte immer wieder für gelungene Überraschungseffekte, die dem Roman eine gänzlich neue Wendung geben. Diese fügen sich meist gut in den Handlungsverlauf ein, sind an der einen oder anderen Stelle allerdings etwas zu überraschend und aus der Luft gegriffen. Wirklich gut gelingt ihm das Schaffen von Charakteren, die nicht nur Personen sind, sondern Typen mit Ecken und Kanten und alle auf ihre Weise zum Handlungsverlauf beitragen.

Insgesamt ist „Nachricht von dir“ ein Roman, der unbeschwert beginnt, den/die LeserIn jedoch zunehmend mit der traumatischen Vergangenheit der beiden Hauptcharaktere konfrontiert und so eine Spannung erzeugt, die sich erst beim Showdown löst. Ein Buch also, das sich gut für den (Sommer-)Urlaub eignet!