Tag Archives: Freundschaft

Zwei an einem Tag – David Nicholls

19 Mrz

Zwei an einem Tag ist für mich in erster Linie ein Roman über Freundschaft und Leben und erst in zweiter Linie ein Liebesroman. Emma und Dexter, die verschiedener nicht sein könnten, lernen sich am 15. Juli 1988 bei der Abschlussfeier des Colleges kennen und verbringen die Nacht miteinander. Dabei schwebt über dieser Begegnung der Gedanke daran, dass mit dem Ende der Nacht gewissermaßen der Ernst des Lebens beginnt.

Emma hat einen Einserabschluss in zwei Fächern erlangt, hat ein politisches Bewusstsein und möchte die Welt verändern. Wie sie das genau anstellen soll, weiß sie noch nicht, aber sie ist davon überzeugt, es durch Schreiben schaffen zu können. Ihr Äußeres kümmert sie dabei weniger. Demgegenüber steht Dexter, der aus reichem Elternhaus stammt und das College vor allem als eine große Party begriffen hat. Mit seinem eher mäßigen Abschluss und sich selbst weiß er noch nichts anzufangen und möchte zunächst Reisen, um Zeit für seine Lebensplanung zu gewinnen.

Im Folgenden zeigt der Roman die Entwicklung der beiden im Verlauf der Jahre immer anhand des 15. Julis. Emma und Dexter erleben in beruflicher wie in privater Hinsicht Erfolge und Misserfolge Glück und Unglück, zerplatze Träume und das aufleben alter Träume. Die Verbindung zwischen den beiden bleibt bestehen, auch wenn sie sich stetig verändert, sie sich auseinanderleben oder sich näher kommen. Hintergründig bleibt stets die Frage: Kriegen sie sich? Allerdings blieb für mich entgegen dem Hollywoodklischee offen: Will ich überhaupt, dass sie sich kriegen? Immer wieder wird deutlich, wie verschieden die Lebensentwürfe der beiden sind, sodass zu befürchten ist, ein gemeinsames Leben zerstöre den Charakter und die Individualität. Dieser Widerspruch wird am Ende auf eine Weise, diemich nicht zufrieden gestellt hat, die ich hier jedoch natürlich nicht ausführen will, aufgelöst.

Insgesamt gefiel es mir, Emma und Dexter dabei zu begleiten, wie sie älter werden und ihren Weg mit zahlreichen Irrungen und Wirrungen finden, zumal David Nicholls die richtigen Worte gefunden hat, dies zu beschreiben und tatsächlich Charaktere und nicht nur Romanfiguren zu erschaffen. Durch den ganzen Roman zieht sich wie ein roter Faden die erste gemeinsame Nacht am 15. Juli 1988. Dieser Bezug zum Ausgangspunkt dieser besonderen Verbindung zwischen Emma und Dexter wird sprachlich durch das Aufgreifen bestimmter Formulierungen aufgegriffen und bildet insbesondere am Ende des Romans einen passenden Rahmen für ihre Geschichte.

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Die letzte Liebe des Monsieur Armand – Françoise Dorner

13 Jan

In diesem Roman geht es darum, wie eine zufällige Begegnung das Leben verschiedener Menschen grundlegend verändern kann. Pauline ist zwanzig, arbeitet als Verkäuferin und hat wechselnde Beziehungen, Armand ist pensionierter Philosophielehrer und hat sowohl mit seinen zuvor geliebten Büchern, als auch mit seinem Leben abgeschlossen. Was die beiden verbindet ist ihre Einsamkeit, die sie wohl auch zusammenführt. Pauline verlor ihre Eltern, zu denen sie jedoch keine Beziehung hatte, früh bei einem Autounfall und ist seither auf der Suche nach einer Ersatzfamilie. So gewinnt sie selbst den Eindruck, nur wegen der Aussicht auf liebevolle Schwiegereltern mit diversen Männern auszugehen, die sie zwar begehren jedoch nicht respektieren. Die Einsamkeit Armands resultiert aus dem Tod seiner Frau und seiner schlechten Beziehung zu seinen Kindern, sowie dem Ende seiner Tätigkeit als Philosophielehrer, da ihm nun niemand mehr zuhört.

Zwischen Armand und Pauline entwickelt sich eine Beziehung, die über Freundschaft hinausgeht, aber auch nichts mit Sex zu tun hat. Es scheint als hätte Pauline in Armand ihren lang ersehnten Familienersatz gefunden, während sie ihm ihrerseits Aufmerksamkeit und Lebensfreude schenkt. Nicht nur für die beiden Hauptcharaktere, aus deren Sicht die Geschichte abwechselnd geschildert wird, sondern auch für Armands Sohn verändert diese Begegnung alles.

Françoise Dorner erzählt eine sentimentale Geschichte voller Aufs und Abs, in der sich zwei komtlett gegensätzliche Menschen näher kommen und eine Beziehung zueinander entwickeln, die schwer in Worte zu fassen ist, aber kontinuierlich zwischen den Zeilen hervorblitzt. Auf der einen Seite Pauline, die ihren Weg durchs Leben noch nicht gefunden hat und auf der anderen Armand, der das Gefühl hat bereits alles hinter sich zu haben. Zwischen ihnen befinden sich fünf Jahrzehnte, die immer wieder drohend darauf hinweisen, dass diese Beziehung keine der beiden Personen dauerhaft von ihrem Schicksal erlöst.

Hinter der Geschichte verbirgt sich die Frage nach der richtigen Balance zwischen Kopf und Herz. Der Philosoph hat sich zeitlebens einzig auf seinen Verstand beziehungsweise den Verstand großer Philosophen verlassen und hat nun am Ende seines Lebens das Gefühl, sich damit den Zugang zu seinen Mitmenschen verbaut zu haben. Im Gegensatz dazu weigert sich Pauline Bücher zu lesen und verlässt sich lieber auf ihr Gefühl, entwickelt allerdings ein Interesse an philosophischer Bildung, da sie sich den Fragen, die hinter ihrem impulsiven Handeln stecken, stellen möchte.