Tag Archives: Spannung

Nachricht von dir – Guillaume Musso

17 Jun

Die Idee, dass sich zwei Menschen zufällig begegnen und es scheint, als hätte das Schicksal sie zusammen geführt ist nicht neu, bietet aber scheinbar immernoch eine Menge Stoff.

Madeline und Jonathan, sie eine pariser Floristin und er ein ehemaliger Sternekoch, stoßen am Flughafen zusammen und stecken aus Versehen das Smartphone der/des jeweils anderen ein. Als sie diese Verwechslung bemerken treiben sie zwei Dinge an. Zum einen die Neugier, wer die Person ist, der das Handy gehört. Zum anderen die Besorgnis, was sich anhand der gespeicherten Daten über sie herausfinden lässt. Je länger sie im Besitz des fremden Telefons sind und Photos, Musik und Mails zu durchstöbern, desto größer wird das Interesse füreinander und beide beginnen in der Vergangenheit der/des anderen zu forschen.

Was bis hierhin nach einem Liebesroman mit absehbarem Ende klingt, entwickelt sich zum Krimi, als die beiden mit ihren Nachforschungen erfolgreich sind. Was hat es mit Jonathans Scheidung auf sich, die ihn beinahe völlig zerstört hätte? Was verbirgt sich hinter dem Fall Dixon, den Madeline in ihrer Zeit bei der Polizei bearbeitete? Die Antwort auf diese Fragen stellt alles auf den Kopf und führt Jonathan und Madeline zusammen (ganz muss man also nicht auf die erwartete Liebesgeschichte verzichten). Beide werden durch die/den anderen mit einem Kapitel ihrer Vergangenheit konfrontiert, das sie bis dahin so gut wie möglich verdrängt haben und stellen sich ihren Traumata.

Guillaume Musso sorgt im Verlauf der Geschichte immer wieder für gelungene Überraschungseffekte, die dem Roman eine gänzlich neue Wendung geben. Diese fügen sich meist gut in den Handlungsverlauf ein, sind an der einen oder anderen Stelle allerdings etwas zu überraschend und aus der Luft gegriffen. Wirklich gut gelingt ihm das Schaffen von Charakteren, die nicht nur Personen sind, sondern Typen mit Ecken und Kanten und alle auf ihre Weise zum Handlungsverlauf beitragen.

Insgesamt ist „Nachricht von dir“ ein Roman, der unbeschwert beginnt, den/die LeserIn jedoch zunehmend mit der traumatischen Vergangenheit der beiden Hauptcharaktere konfrontiert und so eine Spannung erzeugt, die sich erst beim Showdown löst. Ein Buch also, das sich gut für den (Sommer-)Urlaub eignet!

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Das Einstein-Mädchen – Philip Sington

8 Jan

Eine junge Frau wird 1932 in der Nähe von Berlin ohne Kleidung oder einen Hinweis auf ihre Identität bewusstlos aufgefunden. Als sie aus dem Koma erwacht, kann sie sich an nichts erinnern. Der Psychiater Dr. Martin Kirsch nimmt sich ihrem Fall an und entwickelt ein großes Interesse an dem Fall, aber auch an seiner Patientin. Wer ist sie? Woher kommt sie? Und was wollte sie in Berlin? Kirsch begibt sich auf Spurensuche und versucht anhand weniger Indizien diese Rätsel zu lösen. Es stellt sich heraus, dass eine Verbindung zwischen der jungen Frau und dem weltbekannten Physiker Albert Einstein besteht. Doch welche?

Die Geschichte um das Einstein-Mädchen, in der ein Psychiater zum Ermittler wird, ist gekonnt in den historischen Hintergrund eingebettet. Der Schatten des Ersten Weltkrieges lastet schwer auf Kirsch, sowohl psychisch als auch physisch, was sinnbildlich für die gesellschaftliche Stimmung steht. Immer wieder wird zudem auf das Erstarken des Nationalsozialismus verwiesen und auf die Auswirkungen dessen rassistischen Menschenbildes für die Psychatrie. Auch die Bezüge zu Einsteins Biographie scheinen sorgfältig recherchiert zu sein, wie auch ein entsprechender Anhang zeigt.

Philip Sington erzählt die Geschichte vorwiegend mit Blick auf den Psychiater Kirsch, sodass der Leser/die Leserin einen guten Eindruck seiner Persönlichkeit bekommt, lässt aber auch das Einstein-Mädchen selbst zu Wort kommen, das seine Lebensgeschichte in einem Brief niedergeschrieben hat. Auf diese Weise ist der Leser/die Leserin Kirsch einen Schritt voraus bei der Entschlüsselung ihrer Identität. Dennoch hält der Roman einige unerwartete Wendungen bereit.

Auf diese Weise entsteht ein spannender Roman, eingebettet in den historischen Kontext der 1930er Jahre in Berlin und verwoben mit dem Werk und dem Leben des wohl bedeutendsten, zumindest aber bekanntesten Physikers der Welt.